Praying? Or Preying?

If you think this otherworldly creature is elevating its foremost extremities into the sky in supplication, you are not alone, as those who first lay eyes on it shared your impression and named it Praying Mantis.

Falls Du den Eindruck hast, daß diese ungwöhnliche Kreatur ihre Vorderbeine im Gebet gen Himmel streckt, bist Du nicht alleine, denn die ersten Beobachter teilten diesen Eindruck, und tauften sie Gottesanbeterin.

Other than admiring bees, butterflies, and moths, and disliking the biting and stinging kind of insects, I know little about these animals, but when I discovered this stick-like critter last summer, my curiosity was piqued, and I set out to remedy my ignorance. With about 925,000 known representatives, insects represent the largest class of the animal kingdom, but entomologists, those scholars enthralled by all six-legged things that creep, crawl, leap, bound, or fly, suspect that this paltry sum represents a mere 20 % of extant species.

With regard to the family of mantids, experts have identified 2,500 different kinds. Seven have been detected in Colorado, and among those, five are native, two introduced. As is often the case, the non-native individuals outperform the others, so chances are that what I saw, and what you see in these images, are specimens of the European Mantid, endowed with the Latin name Mantis religiosa, which is no less prayerful than the common appellation.

Außer Bienen, Schmetterlinge und Motten zu bewundern, und beißende und stechende Insekten nicht zu mögen, weiß ich wenig über diese Tierchen, aber als ich vergangenen Sommer diesen stöckchenartigen Repräsentant entdeckte, wurde meine Neugier geweckt, und ich versuchte, meinem Unwissen Abhilfe zu schaffen. Mit etwa 925.000 bekannten Vertretern stellen Insekten die größte Klasse im Tierreich dar, doch Entomologen, diejenigen Gelehrten, die sich für alle Sechsbeiner interessieren, die kriechen, krabbeln, springen, hüpfen und fliegen, gehen davon aus, daß diese Zahl lediglich 20 % aller existierenden Arten repräsentiert.

Was die Familie der Mantiden angeht, haben Experten 2.500 verschiedene Arten identifiziert. Sieben sind in Colorado zu finden, und von diesen kommen fünf natürlich vor, und zwei sind eingeführt worden. Wie so oft der Fall ist, gedeihen die letzteren besser, und deshalb sind diejenigen, die wir jetzt zusammen in diesen Photos sehen, wahrscheinlich Exemplare der europäischen Mantiden, deren lateinischer Name, Mantis religiosa, nicht weniger fromm ist als der allgemeine.

Now, let’s imagine you were another hexapod. You would quickly learn that what resembles arms raised into the heavens in prayer actually represents efficient utensils employed in arresting your locomotion and in dismembering you, before channeling you into said animal’s intestinal tract in support of its metabolism. Although this predatory arthropod is celebrated by some gardeners (and, for that matter, offered in plant nurseries and garden catalogs) for ridding their patches of unwanted pests, it does not discern between beneficial and undesired organisms and devours all fellow six-legged beings indiscriminately, if not cannibalistically. While the male is in the blissful, oblivious throes of reproduction, the female, if particularly hungry, might not hesitate to decapitate the one that ensures the fertilization of her eggs (apparently, he is able to do the deed without use of his head).

If this narrative strikes you as suitable to be told as a scary campfire tale, I concur, and even though I’m glad to have finally encountered and photographed a few of these strange, slender, statuesque creatures, what little I learned about their life cycle and behavior confirmed that some things are better left to the imagination, and that—at times—ignorance is bliss.

Nun stell Dir mal vor, Du wärst auch ein Sechsbeiner. Du würdest schnell merken, daß die betenden Hände, die sich in den Himmel zu erstrecken scheinen, in Realität wirksame Werkzeuge darstellen, die dazu dienen, Deine Fortbewegung zu hindern und Dich zu zerlegen, um Dich dann dem Verdauungstrakt dieses Tieres zuzuführen, und seinen Stoffwechsel zu unterstützen. Auch wenn einige Gärtner, weil sie ihre Beete gerne ungezieferfrei hätten, diesen räuberischen Gliederfüßer preisen (der übrigens in Gärtnereien und Gartenkatalogen zum Verkauf angeboten wird), unterscheidet er nicht zwischen Nützlingen und Schädlingen, sondern verschlingt alles, was sich auf sechs Beinen fortbewegt. Und das nicht nur wahllos, sondern manchmal sogar kannibalistisch. Während sich das Männchen selbstvergessen und beglückt der Fortpflanzung hingibt, mag es sein, daß das Weibchen, wenn es besonders hungrig ist, demjenigen den Kopf abbeißt, der für die Befruchtung ihrer Eier sorgt (anscheinend kann er den Akt auch ohne Betätigung seines Kopfes vollenden).

Falls Du der Meinung bist, daß sich diese Schilderungen dazu eignen, am Lagerfeuer als Gruselgeschichte erzählt werden zu können, stimme ich Dir zu, und auch wenn ich froh bin, endlich diese seltsamen, schlanken, standbildhaften Wesen getroffen und photographiert zu haben, bin ich zu der Einsicht gelangt, daß das Wenige, das ich über ihren Lebenszyklus und ihr Verhalten gelernt habe, bestätigt, daß manche Dinge lieber der Phantasie überlassen bleiben, und daß Unwissen manchmal ein Segen ist.